Strahlenbelastung von Begleitpersonal bei Castortransporten

Ich finde es bedenklich, daß Polizisten - eh schon die Prügelknaben der Nation - bei Castortransporten noch zusätzlich durch die Medien verunsichert werden. Ich habe selbst bereits ganz nahe neben einem Castorbehälter gestanden und diesen auch angefaßt. Natürlich bin ich mir als Naturwissenschaftler der Strahlung bewußt, die von so einem Behälter ausgeht. Ich habe mir mal die Literatur angesehen und die zuverlässigen Daten zusammengefaßt. Wenn man diese Daten mit der natürlichen Strahlenbelastung vergleicht, merkt man sehr schnell, daß für niemanden beim Aufenthalt in der Nähe so eines Behälters eine Gefahr ausgeht.

Es werden verschiedene Bauarten von Castorbehältern unterschieden, die entweder für den Transport abgebrannter Brennelemente aus Kernkraftwerken oder für Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente genutzt werden.

 

CASTOR - Cask for Storage and Transport of Radioactive Material.

 

Die Castorbehälter werden aus einem Stück gefertigt! Die Zylinder sind etwa 6 m lang und haben einen Durchmesser von knapp 2,5 m, sie wiegen leer rund 100 Tonnen. Die Wände sind 40 Zentimeter stark. Sie haben ein Doppeldeckelsystem, d.h. nach dem Primärdeckel, folgt ein zusätzlicher Sekundärdeckel und noch eine Schutzplatte. Sie sind extrem sicher gebaut, so daß sie z.B.

aushalten, ohne auch nur annähernd Aktivität freizusetzen. Für absolut “Ungläubige” liessen die Briten als Demonstration der Sicherheit für die Öffentlichkeit einen Eisenbahnzug (Lok mit drei Wagons) bei Tempo 165 auf einen Muster-Behälter prallen. Befund: keiner! Die Auswertung der Messungen ergab, dass die auf die ungünstigste Stelle am Behälter einwirkenden Kräfte (Deckel und seine Schrauben) der Hälfte jener Belastung entsprachen, die beim Falltest auf 9 Meter erreicht wurde!

Ein weiterer Versuch: Zur Simulation eines Flugzeugabsturzes unmittelbar auf einen Behälter prallte ein Geschoss von einer Tonne Gewicht mit Schallgeschwindigkeit auf die Kühlrippen - Schäden dort, aber nicht am eigentlichen Behälter.

Die Abschirmung gegen die vom Inventar ausgehende Gamma- und Neutronenstrahlung erfolgt hauptsächlich durch die dicke Behälterwandung, -deckel und -boden. Zur zusätzlichen Minimierung der Neutronenstrahlung sind Stäbe aus Absorbermaterial in Längsbohrungen im Behältermantel eingelassen.

Strahlungsfelder an Castor-Behältern

[Bild-Quelle: Prof. Dr. A. Kaul, Dr. F. Heimlich, Dr. W. Huck, Dr. K. Martignoni, Dipl.-Phys. A. Rimpler, Bundesamt für Strahlenschutz, Salzgitter]

Bild 4 zeigt die gemessenen Dosiswerte die im Abstand bis zu 30 m von einem CASTOR-Behälter ausgehen. Die oberste Kurve gibt die Gesamtstrahlenbelastung in mSv/h wider. Die Kurve mit den Dreiecken die Neutronendosis und die Kurve mit den Vierecken die Gammadosis im einzelnen. Man beachte die Einheit (mikro-Sievert - 1mSv sind 0,001 mSv, also ein tausendstel von milli-Sievert, der Einheit, die uns den Vergleich zu den natürlichen Strahlenbelastungen (siehe dort) erlaubt !!!)

Die nachfolgende Tabelle enthält unabhängige Zahlenwerte für verschiedene Castor-Behälter (von Strahlenschutzfachleuten gemessen!) noch einmal in komprimierter Form.

 

CASTOR V/19-002

CASTOR V/19-003

CASTOR V/19-004

Grenzwert nach GGVS

Position

Maximale Dosisleistung in m Sv/h

Maximale Dosisleistung in m Sv/h

Maximale Dosisleistung in m Sv/h

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gamma

Neutronen

Summe

Gamma

Neutronen

Summe

Gamma

Neutronen

Summe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Transporthaube

220

4,1

224,1

200

8,5

208,5

250

10,7

260,7

2000

2 m von der Transporthaube

25

2,6

27,6

20

2,6

22,6

30

5,1

35,1

100

5 m Wert seitlich

7

1,4

8,4

4

0,1

4,1

15

2,9

17,9

 

10 m Wert seitlich

4

0,5

4,5

3

< 0,1

3,0

6

1,3

7,3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CASTOR V/19-001

CASTOR V/19-005

CASTOR V/19-008

 

Transporthaube

170

4,2

174,2

100

10

110

300

9

309

2000

2 m von der Transporthaube

22

3,2

25,2

15

5,5

20,5

35

8,3

43,3

100

5 m Wert seitlich

7

1,1

8,1

10

2,4

12,4

15

2,9

17,9

 

10 m Wert seitlich

4

0,3

4,3

2,5

0,4

2,9

6

1,2

7,2

 

Bei einem Sammeltransport im März 1997 wurden 6 CASTOR-Behälter in das Zwischenlager Gorleben verbracht. Mehr als 2000 der den Transport begleitenden Polizisten trugen amtliche Personendosimeter zur Bestimmung der individuellen Belastung durch Neutronen- und Gamma-Strahlung. Deren Auswertung in den drei beteiligten Landesmeßstellen ergab, daß in keinem einzigen Fall die untere Nachweisgrenze der Dosimeter von 0,1 mSv überschritten wurde!

Eine Dosis von 0,1 mSv entspricht etwa der bei einem Hin- und Rückflug zwischen Frankfurt und New York auftretenden Belastung durch kosmische Strahlung und ist wesentlich geringer, als die, die bereits durch regionale Schwankungen zwischen verschiedenen Gebieten in Deutschland auftritt - also der zusätzlichen Belastung, die ein Norddeutscher im Urlaub in Süddeutschland erhält.

Mögliche Strahlenbelastungen der Bevölkerung durch CASTOR-Transporte lassen sich nur unter bestimmten realistischen Annahmen abschätzen. Unterstellt man beispielsweise den Aufenthalt einer Person in 10 m Abstand von einem mit unterschiedlicher Geschwindigkeit vorbeifahrenden Transport (mit einer höchstzulässigen Beladung des Behälters) läßt sich bei einer Geschwindigkeit von 20 km/h eine Personendosis von 0,025 mSv errechnen (siehe auch Bild 4).

Die gleiche Dosis erhält eine Person aus der Bevölkerung jede Viertel- stunde ohnehin durch die natürliche Strahlenbelastung (wenn man den Durchschnittswert zugrunde legt). Bei einer Geschwindigkeit von 5 km/h erhöht sich die Dosis auf 0,1 mSv. (VERGLEICHE: NATÜRLICHE STRAHLUNG!)

(Ich möchte hier noch einmal darauf hinweisen, daß ich nichts davon habe, irgendetwas falsches oder halbwahres zu schreiben. Als Naturwissenschaftler zählen für mich nur Fakten. Es ist sehr Schade, daß es keine sachliche Diskussion mehr in Deutschland gibt.)

Für die, die es ganz genau wissen wollen:

Zuverlässige Information: Gesellschaft für Reaktorsicherheit: Sicherheitsanalyse zur bestimmungsgemäßen Beförderung von radioaktiven Abfällen und bestrahlten Brennelementen in der Region Gorleben, Abschlußbericht zum Vorhaben SR 2264 (GRS-A-2814, August 2000)
(downloadbar als pdf-File bei der Webseite der GRS:
http://www.grs.de)

Eine interessante Graphik für Lehr- und Anschauungszwecke von der GRS gibt es HIER!

Meßwerte vom Bundesamt für Strahlenschutz für den Transport im März 2001 nach Gorleben gibt es HIER!

weitere Literatur

Google

WWW
www. Kernenergie-Wissen.de
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