
![]() |
||||
|
![]() |
|||
![]() |
||||
Die mittlere Strahlenexposition des Menschen durch natürliche Strahlenquellen beträgt in der BRD etwa 2,4 mSv pro Jahr. Ein wesentlicher Anteil der natürlichen Strahlenexposition ergibt sich durch die Inhalation von Radon und Radonfolgeprodukten infolge des Aufenthaltes in Häusern (s. Abb. 1 und Tab. 1).
Das Radon und dessen radioaktive Zerfallsprodukte gelangen mit der Atemluft in den Atemtrakt, wo ihre energiereiche Alphastrahlung strahlenempfindliche Zellen erreicht und Lungenkrebs hervorrufen kann. Auf Grund neuer Erkenntnisse über die Wirkung des Radons wird - wie auch in den Empfehlungen der deutschen Strahlenschutzkommission - der Jahresaufenthalt in einer Wohnung mit einer Radonkonzentration von 250 Bq/m³ als gleichbedeutend mit einer effektiven Dosis von 4 mSv/a angesehen /SSK-94/.
Im Jahresbericht 1998 des Bundesumweltministeriums wird zur Radonproblematik mitgeteilt, dass bisher vorliegende Ergebnisse darauf hinweisen, dass bei einer Radonkonzentration ab 400 Bq/m³ Raumluft mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko zu rechnen sei. Dies werde auch durch internationale Untersuchungen belegt. In Deutschland seien die Bewohner von etwa 57.000 Häusern einem erhöhten Lungenkrebsrisiko durch das radioaktive Edelgas Radon ausgesetzt. Ca. 5% der 36.000 Todesfälle (pro Jahr) infolge Lungenkrebs sind auf Radoneinwirkung zurückzuführen /BMU-99/ - das wären jährlich 1.800 “Strahlentote”.
Internationale Situation zum Strahlenschutz (Daten im Vergleich)
Allgemeiner Strahlenschutz:
Strahlenschutz bezüglich Radon:
Abbildung 1: Durchschnittliche Strahlenbelastung in der BRD (aus natürlichen und künstlichen Quellen)
Abbildung 2: Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft /GIB-99/
Abbildung 3: Ausgewählte Untersuchungsgebiete für die Radon - Langzeitmessungen 1996 in Sachsen
Abbildung 4: Radonverfübarkeit in Sachsen /CUE-96/
Abbildung 5: Radonkonzentration in Gebäuden Sachsens aus 721 Langzeit - Radonmessungen /SIG-97/
Abbildung 6: Radonbilanz eines Wasserwerkes (Stadt Allendorf/Hessen & Bad Brambach /JTS-98/
Tabelle 1: Beispiel der Schwankungsbreiten der natürlichen Strahlenbelastung in der BRD
|
Quellen der natürlichen Strahlenbelastung |
mittlere Jahresdosis in mSv |
Schwankungsbreite in mSv |
|
Kosmische Strahlung (von Meereshöhe bis 1000 m) max. auf Zugspitze = 1,2 mSv/a |
0,25...0,75 |
0,5 |
|
Terrestrische Strahlung (Schleswig-Holstein bis Bayrischer Wald) max. Wert 450 nSv/h = 3,9 mSv/a |
0,14...1,46 |
1,5 |
|
Wohnen in Holzhäusern oder in Beton- bzw. Natursteinbauten |
0,6...3,0 |
2,5 |
|
Eigenstrahlung des Körpers |
0,2...0,4 |
0,2 |
|
Radon in Gebäuden zu Wohnzwecken |
0,4...250 |
250 |
Tabelle 2: Daten verschiedener Strahlenbelastungen /BMU-99/ im Vergleich mit Grenzwerten
|
Grenzwerte bzw. Art der Strahlenbelastung |
max. Radon- konzentration |
Vergleichswerte |
|
Grenzwert für beruflich strahlenexponierte Personen (jedoch bei Dauerbelastung max. 100 mSv in 5 Jahren) |
|
50 mSv/a = 20 mSv/a |
|
Grenzwert bei Sanierung der Wismut-Altlasten (Dosis ergibt sich vor allem aus Radon & Radon-Folgeprodukten) |
50 Bq/m³ |
1,0 mSv/a |
|
Radon in Atemluft im Endlager Morsleben (Kerntechnik) max. Jahresmittelwert für die beruflich strahlenexpon. Personen (bei einer Aufenthaltszeit von 1600 Arbeitsstunden pro Jahr) |
120 Bq/m³ |
0,35 mSv/a |
|
Radon in Atemluft an Arbeitsplätzen gemäß europäischer Richtlinie 96/29/Euratom (Nicht-Kerntechnik) max. Jahresmittelwert für beruflich Radonexpon. Personen (bei einer Aufenthaltszeit von 1600 Arbeitsstunden pro Jahr) |
3000 Bq/m³ |
8,8 mSv/a |
|
1-jähriger Aufenthalt in einem Radon-belasteten Wohnhaus (Bevölkerung) bei 250 Bq/m³ bei 400 Bq/m³ bei 1.000 Bq/m³ (19,8% unserer Messwerte darüber !) bei 1.250 Bq/m³ bei 15.000 Bq/m³ |
|
4 mSv/a 6,4 mSv/a 16 mSv/a 20 mSv/a 240 mSv/a |
|
Durchschnitt der natürlichen Strahlenbelastung in der BRD |
|
2,4 mSv/a |
|
Durchschnittl. natürliche und künstliche Strahlenbelastung (BRD) |
|
4 mSv/a |
|
Durchschnittl. berufliche Strahlenbelastung (für 330 000 Personen) |
|
0,24 mSv/a |
|
1 Jahr am KKW-Zaun |
|
0,005 mSv/a |
|
CASTOR-Transport (in 2 m Abstand vorbeifahrend) |
|
0,0003 mSv |
|
1 Ferienflug (mit insgesamt 10 h Flugdauer) |
|
0,05 mSv |
|
1 Röntgenuntersuchung (Brustkorb) |
|
0,1...0,3 mSv |
|
Radioaktiver Fall-out aus früheren Kernwaffentests (1998 in BRD) |
|
<0,01 mSv/a |
|
Auswirkungen Tschernobyl-Havarie (Dosisbeitrag 1998 in BRD) |
|
<0,02 mSv/a |
Ausgehend von den erreichten Ergebnissen und Erfahrungen des im Jahre 1996 durchgeführten SMU-Vorhabens /SIG-97/ in Sachsen ergeben sich folgende Schlußfolgerungen:
|
/BMU-99/ |
Jahresbericht des BMU: Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung 1998; Berlin, November 1999 |
|
/CUE-96/ |
Consulting und Engineering GmbH Chemnitz: Karte der Radonverfügbarkeit im Freistaat Sachsen; 1996 |
|
/GIB-99/ |
Geologisches Institut der Universität Bonn: Karte der Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft;1999 |
|
/ICR-91/ |
International Commission on Radiological Protection: Recommendations of the International Commission on Radiological Protection; ICRP Publication 60; Annals of the ICRP, Band 21, Nr. 13, 1991 |
|
/ICR-93/ |
International Commission on Radiological Protection: Protection against Radon-222 at Home and at Work; ICRP Publication 65; Annals of the ICRP, Band 23, Nr. 2,1993 |
|
/JTS-98/ |
H. Hingmann et al.: "Radoneinträge und -austräge in Wasserwerken"; 30. Jahrestagung des Fachverbandes Strahlenschutz und des Österreichischen Verbandes Strahlenschutz; Lindau 28.09.-02.10.98; S. 544 |
|
/REG-90/ |
Richtlinie 90/143/Euratom: Empfehlungen der Kommission vom 21.Februar 1990 zum Schutz der Bevölkerung vor Rn-Exposition innerhalb von Gebäuden; Amtsblatt der EG Nr. L 080; Brüssel, 27.03.90 |
|
/REG-96/ |
Richtlinie 96/29/Euratom: Festlegung der grundlegenden Sicherheitsnormen für den Schutz der Gesundheit der Arbeitskräfte und der Bevölkerung gegen die Gefahren durch ionisierende Strahlungen vom 13.05.1996; Amtsblatt der EG Nr. L 159; Brüssel, 29.06.96 |
|
/SIG-97/ |
Stoller Ingenieurtechnik GmbH: Konzeption zur Umsetzung/Realisierung von Maßnahmen zur Ermittlung und Minderung hoher Radonkonzentrationen in Gebäuden; Bericht SIG 05/97; Dresden, März 1997 |
|
/SMU-95/ |
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landesentwicklung: Verwaltungsvorschrift über die Gewährung von Fördermitteln für Maßnahmen im Bereich Umweltradioaktivität im Freistaat Sachsen vom 31.03.95; Sächsisches Amtsblatt Nr. 25 vom 26.05.95 |
|
/SSK-94/ |
Strahlenschutzkommission der Bundesrepublik Deutschland: Strahlenschutzgrundsätze zur Begrenzung der Strahlenexposition durch Radon und seine Zerfallsprodukte in Gebäuden; Empfehlung der Strahlenschutzkommission vom 30.06.1994; Bundesanzeiger Nr. 155 vom 18.08.94 |
|
/SSS-94/ |
Strahlenschutzverordnung (StSV) der Schweiz vom 22. 06.94 |
Text von Michael Thiel (Nuc-Tec-Team)
fachliche Beratung: L. Schneider